Die Ehemaligen der UK-Reika

700 Jahr Düsseldorf

Auf der Heide von Worringen ging es blutig zu.

Am 14. August 1288 nahmen die Anwohner der Düsselmündung die Privilegien entgegen, mit denen Graf Adolf der Siedlung Stadtrechte verlieh. Es war dies der Lohn für treue Dienste, acht Wochen zuvor erbracht. Da hatten die Düsseldorfer wacker mitgekämpft gegen den Kölner Erzbischof.
Es ging um die Vorherrschaft am Niederrhein. Erzbischof Siegfried von Westerburg, verbündet mit Rainald von Geldern und Heinrich von Luxemburg, trat dem vereinigten Heer von Brabant, Berg und der Kölner Bürgerwehr entgegen. Man war sich über das Erbe der Grafschaft Limburg in die Haare geraten. Aber der Streit schwelte lange, und es ging ganz einfach um Machtpositionen am Niederrhein.

Schlacht bei Worringen Gemälde von Peter Jansen
Man hatte gerüstet. 1277 hatte der Erzbischof die jülichsche Burg Worringen erobert. Von dort aus drangsalierte er die renitenten Kölner Kaufleute. Graf Adolf hatte rechtsrheinisch seine Orte Mühlheim und Monheim befestigt, dann aber zusehen müssen, wie erzbischöfliche Truppen 1279 die Befestigung schleiften. Der Erzbischof suchte seine Territorien zusammenzufassen. Als Stützpunkt zwischen dem Hochstift (Köln) und dem Niederstift (Neuss) baute er Zons mit einer Burg aus.

1282 musste der Erzbischof die Reichsburg Kaiserswerth abgeben. Das bedeutete Stärkung der sechs Jahre zuvor erst gegründeten bergischen Stadt Ratingen. Kölner Bürger und bergischer Graf waren sich nähergekommen dank der Zusage des Grafen, im Bannkreis der Stadt Köln auf bergische Befestigungen zu verzichten.
Die Koalitionen standen also, als das Brabanter Heer ins Erzbistum einfiel. Am 5. Juni 1288 stießen die Heere auf der Heide von Worringen aufeinander. Neun Stunden dauerte der Kampf, in dem schließlich das klassische Reiterheer des Erzbischofs den bergischen Bauern, Kölner Bürgern und Brabanter Rittern unterlag. 2.000 Tote blieben auf der Walstatt. Der Erzbischof aber wurde gefangen genommen und auf Schloss Burg gebracht.
Am Niederrhein war damit eine Entscheidung gegen territoriale Vorherrschaft gefallen. Die Kölner Bürger legten sogleich die Burgen von Worringen und Zons nieder und benutzten die kostbaren Steine, um ihre Stadtmauer zu verstärken. Der Erzbischof kam nur nach schmerzlichen Zugeständnissen frei. Dem bergischen Grafen sicherte er zu, auf Befestigungen gegen Berg künftig zu verzichten. Den Kölner Bürgern gab er die Unabhängigkeit.
Siegfried von Westerburg starb 1297, ohne die Stadt Köln je wieder betreten zu haben. Und wenn Erzbischöfe künftig nach Köln wollten, mussten sie sich dies vom Rat der Stadt genehmigen lassen. Düsseldorf begann seinen gemächlichen Aufstieg. 1380 wurde die Grafschaft Berg zum Herzogtum erhoben. Düsseldorf als Hauptort kam in die Rolle der Hauptstadt. Die Bedeutung der Stadt wuchs, als zu Beginn des 16. Jahrhunderts Berg mit Jülich, Kleve und den Grafschaften Mark und Ravensburg vereinigt wurde. Wechselhafte Perioden folgten, in denen Düsseldorf auch glanzvolle Abschnitte erlebte. Insgesamt aber blieb die Stadt im Schatten des Geschehens.

Kupferstich Rheinansicht um 1600

König Wenzel erhob 1380 Berg zum Herzogtum.

Am 24. April 1380 erhob König Wenzel auf dem Reichstag zu Aachen die Grafschaft Berg zum Herzogtum. Damit wuchs nicht nur die Bedeutung des Territoriums Berg, sondern auch die seines Hauptortes, Düsseldorf. Für die noch kleine Stadt an der Düssel begann ein bedeutsamer Abschnitt ihrer Entwicklung. Das war freilich nicht die Folge des Ereignisses an sich, sondern das persönliche Verdienst des Landesherrn, des Herzogs Wilhelm I. aus dem Hause Jülich, "von Gottes Gnaden Herzog von dem Berge, Graf von Ravensberg und Herr zu Blankenberg", den man den zweiten Gründer der Stadt genannt hat.
Nach der Stadtgründung 1288 war Düsseldorf in seiner Weiterentwicklung ganz einfach steckengeblieben. Graf Adolf von Berg wollte nach der Schlacht von Worringen seinen Erfolg benutzen, um sich am Rhein eine befestigte Zollstätte zu sichern. Aber rasch erlahmte der Schwung, mit dem er an die Aufgabe heranging. Nicht nur, weil der Ausbau einer Festung und Hafenanlage eine teure Sache war! Größere und ältere Städte, so Köln, Neuss, Wesel und Duisburg, waren übermächtige Konkurrenten. Gegen sie schien die kleine Neugründung keine ernsthafte Chance zu haben. Von seinem Regierungsantritt 1360 ab, lange bevor er Herzog wurde, forderte Wilhelm, Düsseldorf auf eine bisher unerhörte Art, erneuerte und vermehrte die Privilegien der Stadt, gab ihr die Gerichtsbarkeit; Zeichen dafür war die Errichtung eines Galgens bei Stockum. Düsseldorf wurde Zollstation, was es bisher nur dem Namen nach gewesen war, und bergische Münzstätte. Düsseldorf sollte Wallfahrtsort werden. Auf eigene Kosten ließ der Landesherr die Wallfahrtskapelle vor der Liebfrauenpforte, dem ältesten Stadttor an der heutigen Kreuzherrenkirche, neu errichten und das dazugehörige Hospital (Pilgerunterkunft) bedeutend vergrößern. Das war von Bedeutung für diese Entwicklung Düsseldorfs. Wilhelm war bestrebt, die Stadt im Zeitalter der großen Pilgerfahrten zu einem Wallfahrtsort zu machen wie Köln, Aachen, Trier und Mönchengladbach. So mühte er sich um den Erwerb zahlreicher Reliquien, die jeweils feierlich nach Düsseldorf überführt wurden. Die bedeutendsten dieser Heiligtümer befinden sich heute noch im Schatz der Lambertuskirche. Besonders bedeutsam war der Besitz der Gebeine des heiligen Appollinaris, der zum Patron der Stadt wurde. An seinem Festtag feiert Düsseldorf noch heute sein Stadt- und Schützenfest. Alle sieben Jahre fand im Mittelalter eine Heiligtumsfahrt statt.
Ein bleibendes Denkmal setzte sich der Herzog mit dem Umbau und Ausbau des Wahrzeichens der Stadt, der Lambertuskirche. Das älteste Gotteshaus an dieser Stelle, eine kleine romanische Kirche, wurde schon in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts zu einer einschiffigen gotischen Kirche umgebaut. Herzog Wilhelm ließ sie auf den dreifachen Umfang vergrößern. Bei dem fast ein Vierteljahrhundert währenden Umbau brachte man, wie Paul Kauhausen ausdrückt, "ein gar seltsames Meisterstück" zustande. Die Mauern der alten Kirche blieben stehen. Um sie herum wurde das viel größere neue Gotteshaus gebaut, das sich um den alten Bau legte "wie ein mächtiger Vatermantel um einen Knirps herum". Das ist die Lambertuskirche mit Chorumgang; der Turm freilich wurde wohl erst um 1450 vollendet.
Systematisch wurde Düsseldorf zum Verwaltungszentrum des Herzogtums ausgebaut und die Lieblingsresidenz, wenn auch noch lange nicht der ausschließliche Sitz des Landesherrn. Die Burg am Rhein wurde größer und schöner und vor allem die Stadtbefestigung wurde verstärkt und ausgebaut. Aber das kulturelle Wirken Herzog Wilhelms darf nicht vergessen werden. Die bisherige Pfarrschule wurde zur "Trivialschule", wo auch Latein, damals die Grundlage aller höherer Bildung, gelehrt wurde. Die Zahl der Geistlichen am Lambertus-Stift, der Träger mittelalterlicher Wissenschaft, wurde beträchtlich vermehrt.

Eingemeindung neuer Bezirke verfügt.

Dazu kam die von Wilhelm verfügte Eingemeindung neuer Bezirke, der Ersten und einzigen bis 1909. Der Ausbau der Befestigungen, vor allem nach Süden, hatte der winzigen Stadt viel neuen Raum beschert. Die neuen Bürger verschaffte man sich auf eine Art, die uns heute kompliziert erscheint, damals aber gebräuchlich war. Auch in Kassel und Herford z.B. ist man ähnlich verfahren. Der Herzog verfügte die Eingemeindung von Derendorf, Bilk und Golzheim, kurz darauf auch von Hamm. Das heißt, deren Einwohner erhielten das Düsseldorfer Bürgerrecht, genossen persönliche Freiheit und waren aller Fronlasten ledig, aber nur, wenn sie ihren Wohnsitz in die Stadt selbst verlegten. Nur dann genossen sie auch für die außerhalb der Mauern liegenden Güter den Schutz der Stadt. Lediglich bei Hamm scheint der Wohnsitz in Düsseldorf nicht Bedingung gewesen zu sein.

Die letzten Jahre wurden zur Tragödie.

Sehr viel verdankt Düsseldorf diesem weitblickenden ersten Herzog. Leider erwies es ihm nicht viel Dankbarkeit. Eine Reihe nicht immer glücklicher Fehden hatte Wilhelm in dieser handelsüblichen Zeit immer wieder in seiner Aufbautäitigkeit gehindert. 1397 kam es zu einer Katastrophe. Bei Cleverhamm wurde Wilhelm mit fast seinem ganzen Heer durch einen Überfall der Klever und Marker gefangengenommen. Für seine Freiheit mussten seine Ländereien riesiges Lösegeld aufbringen. In seiner Abwesenheit empörten sich die Söhne gegen den Vater und machten ihm Städte und Gemeinden abtrünnig, vor allem der Älteste, Adolf, ein wüster Raufbold und Intrigant, der sich sofort des Düsseldorfer Schlosses und aller Schätze des Vaters bemächtigte. Gegen das Versprechen großer Privilegien verriet die Stadt den rechtmäßigen Herrscher und ging zu Adolf über. Erst nach einer erneuten Gefangenschaft Herzog Wilhelms beim eigenen Sohn auf Schloss Burg, einer romantischen Flucht und langen Verhandlungen erhielt Wilhelm einen Teil seines Herzogtums, darunter gerade Düsseldorf, 1405 zurück. Er ist kaum als gnädiger Herrscher zurückgekehrt, wenn auch die Stadt ein demütiges Entschuldigungsschreiben an ihn richtete. Schon 1408 starb der erste Düsseldorfer Herzog, als Politiker gescheitert, um die Stadt aber hochverdient. Erst unter Herzog Gerhard (1437-1475) kam die Stadt wieder zur Blüte.

Jan Wellem brachte Glanz in die Stadt.

Vor 300 Jahren — genau am 1. August 1679 • übertrug Herzog Philipp Wilhelm dem Erbprinzen Johann Wilhelm, genannt Jan Wellem, die Regentschaft über die Herzogtümer Berg und Jülich. Damit begann eine glänzende Periode in der Düsseldorfer Stadtgeschichte; die Residenz wurde eines der kulturellen Zentren Europas. Über Jan Wellem schreibt der Düsseldorfer Stadt-Chronist Hugo Weidenhaupt in seiner Stadtgeschichte: "Von seinem Werk zehrt die Stadt noch immer und wird sie immer zehren."
Über die berühmte Gemäldegalerie des Fürsten, jetzt Kern der Münchner Pinakothek, schrieb Goethe, dass sich "dergleichen kein Ort in Deutschland rühmen kann, selbst Dresden nicht ausgenommen". Sein dortiger Besuch sei ihm ein "Gewinn für das ganze Leben" gewesen.

Rathausplatz mit Jan Wellem

Über Jan Wellems "Antikensaal", eine Sammlung von Abgüssen aller berühmten Skulpturen des Altertums, urteilte Schiller, der sie in Mannheim sah: "Der kluge und patriotische Kurfürst ließ diese Abgüsse nicht deswegen mit so großem Aufwand aus Italien kommen, um   eine Seltenheit mehr zu besitzen. Der Kunst selbst brachte er dieses Opfer und die dankbare Kunst wird seinen Namen verewigen."

Starke Impulse.

Diese Urteile der großen Deutschen betreffen nur einen Teil der Verdienste des fürstlichen Mäzens. Die Vielfalt seines Wirkens lässt sich in wenigen Worten nicht einmal andeuten, so seine Förderung der Musik, der Bau des ersten Düsseldorfer Opernhauses! Seine Sammlertätigkeit auf dem Gebiet der Elfenbeinschnitzerei, der Goldschmiedekunst, des gesamten Kunsthandwerks! Damit verbunden war das Aufblühen der Zünfte ein besonderes Anliegen des Herrschers. In Düsseldorf strömten die Künstler, die Maler, Musiker, Kunstgewerbler, aber auch die Gelehrten zusammen. Manch stattliches Gebäude erstand in der niederrheinischen Residenz, deren Straßenbeleuchtung sogar das damalige Paris übertraf.
Großzügige Pläne zur Erweiterung der Stadt blieben freilich auf dem Papier und wurden erst nach ihm ausgeführt. Das war kein Wunder, denn alle diese Leistungen fielen in eine Zeit schrecklicher Kriegsnot, und man hat dem Kurfürsten heftige Vorwürfe gemacht, dass er in einer solchen Periode so große Ausgaben für kulturelle Zwecke machte und ein aufwendiges Hofleben führte.
Gegen diesen Vorwurf hatte ihn schon Schiller in Schutz genommen. Jan Wellem hat nicht wahllos Raritäten aufgehäuft, seine Kunstschätze stellten die denkbar beste Kapitalanlage dar; allein der Wert seiner Gemäldegalerie ließe sich heute nur in geradezu astronomischen Zahlen angeben. Und die Hofhaltung? Der Kurfürst von der Pfalz war kein Duodezfürst, sondern Reichsvikar und der vornehmste weltliche Würdenträger des Reiches, und als naher Verwandter des habsburgischen Kaiserhauses war Jan Wellem eine bedeutende Figur der zeitgenössischen Politik.

Freund der Künstler und Schützen.

So sehr sich der Kurfürst seiner Würde bewusst war, so volkstümlich gab er sich. Er zechte mit seinen Künstlern in der Altstadt, er war stolz auf seinen Rang als Schützenkönig, bei seinen Ritten über Land hielt er oft bei arbeitenden Bauern an und erkundigte sich nach ihren Sorgen. Seine Maßnahmen zur Verbesserung des Verkehrswesens erwiesen sich als segensreich, ebenso wie seine Bemühungen zur Förderung des Handels; seine Versuche, Düsseldorf zu einer Industriestadt zu machen, blieben freilich ohne bleibenden Erfolg.
Viele Kirchen und Klöster wurden erbaut. Das war dem religiösen Fürsten Herzenssache, aber auch eine soziale Maßnahme. In jener Zeit betrachtete der Staat die soziale Fürsorge noch nicht als seine unmittelbare Aufgabe. Die lag ausschließlich in den Händen der Kirchen, und deren Forderung war gleichzeitig eine Hilfe für die Notleidenden. In diesem Zusammenhang muss auch die Toleranz Jan Wellems erwähnt werden.

Rheinische Toleranz.

Während seiner Regierung wurden die ersten protestantischen Gotteshäuser gebaut: die kalvinistische Kirche an der Berger Straße und die schöne Neanderkirche an der Lutheraner. Auch die jüdische Gemeinde durfte an der Neusser Straße ihre erste Synagoge errichten. Kürzlich äußerte ein Heimatforscher, Jan Wellems Lebensgeschichte müsste nach neueren Erkenntnissen eigentlich ganz neu geschrieben werden. Besser hatte er freilich gesagt, diese müsste erst einmal geschrieben werden, denn eine wissenschaftlich fundierte Gesamtdarstellung gibt es bis heute nicht. Es gibt nur eine Reihe von Abhandlungen über Einzelgebiete, vor allem über sein kulturelles Wirken und seine Bedeutung für Düsseldorf. Nur ganz am Rande wurde seine Rolle als Reichsfürst und als Wirtschaftspolitiker behandelt.
Wo man sich aber um zusammenhängende Wertung bemühte, schnitt Jan Wellem aus dynastischen Gründen meist miserabel ab. Da war zunächst die betont pfälzische Geschichtsschreibung der Heidelberger Schule des vorigen Jahrhunderts. Dort verzieh man Jan Wellem nicht, dass er in Düsseldorf residierte und nicht in Heidelberg, dass er angeblich zu wenig für den Wiederaufbau der Pfalz tat und vergaß darüber seine Verdienste um die Wiedererrichtung der Heidelberger Universität. Dazu kam, dass die Religionspolitik des katholischen Kurfürsten ganz im Gegensatz zu der pfälzischen Tradition stand. Im Frieden von Rijswijk 1697, der den Pfälzischen Erbfolgekrieg beendete, setzte er in Übereinstimmung mit Frankreich Vergünstigungen für die katholischen Gemeinden der Pfalz durch, was ihm die protestantischen Reichsstände sehr verübelten.

Im Meinungsstreit.

In der offiziellen Geschichtsschreibung des Bismarckreiches schnitt Jan Wellem wie alle Fürsten seines Hauses ebenfalls recht schlecht ab. Hatten sich die Pfalz-Neuburger doch zu oft im Gegensatz zu den Hohenzollern befunden. "Preußen hatte einen Fridericus Rex, Düsseldorf einen Jan Wellem", hieß es noch in einer während des Dritten Reiches erschienenen Stadtgeschichte. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg setzte sich eine gerechtere Würdigung Jan Wellems durch; hier sind vor allem Düsseldorfer Lokalhistoriker zu nennen wie Paul Kaufhausen, Professor Keller und Walter Kordt. Sie wiesen nach, dass Jan Wellem nicht verschwenderischer war als alle Barockfürsten seiner Zeit, und Kordt betonte, dass der fatale Versuch, die Finanzen durch Gründung einer Art Landesbank in Ordnung zu bringen, der erste und auf seine Art wegweisende Versuch in dieser Richtung war.
In seiner Begeisterung für alles Kulturelle, in seinem Kunstverständnis, aber auch in seinen bizarren Neigungen war Jan Wellem ein echter Wittelsbacher. Als "Jäger von Kurpfalz" freute er sich in kranken Tagen an seiner Wildschweinhetze im Schlosshof. Wie fast alle Fürsten seiner Zeit, auch die Hohenzollern, hörte er zu gern auf Alchimisten und andere Schwindler. Wie die anderen Kurfürsten sehnte er sich nach einer Königskrone. Aber die Pläne nach der Herrschaft über Armenien, Belgien oder ein Inselreich im Mittelmeer wurden zwar an ihn herangetragen, kamen über Verhandlungen aber nicht heraus.

Der Kurfürst ehrte sich selbst

Düsseldorf wird sehr oft gescholten, es habe keine Tradition. Vor allem geschieht dies im Zusammenhang mit der Funktion dieser Stadt als Hauptstadt des Landes Nordrhein-Westfalen. So geschichtslos, wie diese Schelte es vermuten lässt, ist aber Düsseldorf gewiss nicht. Vor 500 Jahren wurde das Städtchen an der Düssel zur Residenz. Was zögernd begann, bekam dann unter der Ägide von Jan Wellem (1679- 1716) deutliche Konturen.
Und dieser Kurfürst ist für die Düsseldorfer nicht irgendwer. Er ist stets dabei, wenn diese Stadt öffentlich und offiziell feiert oder trauert, sich begegnet oder ergeht. Der Kurfürst in Bronze, hoch zu Ross, beherrscht den Marktplatz, sieht sich von den Verwaltungs- und Repräsentationsbauten der Stadtdemokratie eingefasst, blickt auf das bunte Treiben der Altstadt. Schlagen die Wogen der Freude einmal besonders hoch, dann klettern die Halbwüchsigen auf das mächtige Schlachtross, erklimmen den Schoß des Kurfürsten. Das ist dann nicht anders, als der kleine Heinrich Heine es vor 170 Jahren tat, der von dort aus "auf das bunte Markttreiben" blickte.
Das mächtige Standbild, das sich der Kurfürst schon zu Lebzeiten (1711) setzen ließ, gilt als eine der bedeutendsten Barockplastiken nördlich der Alpen. Dieses Werk des gebürtigen Flamen Gabriel de Grupello wird wohl nur noch vom Standbild des Großen Kurfürsten übertroffen, das 15 Jahre zuvor Andreas Schlüter im fernen Berlin schuf und das heute vor dem Schloss Charlottenburg zu bewundern ist.
Es gehört zur Verklärung, die das Ansehen des Kurfürsten bei den Düsseldorfern erfuhr, dass die Sockelinschrift behauptet, die "Dankbare Bürgerschaft" habe das 8.000 Kilogramm schwere Reiterstandbild gestiftet. Doch was heißt dies schon. Die Erinnerung verschont vieles. Man darf sich freuen, dass Napoleons Heere das Standbild nicht entführten - wie geplant. 1831 wurde der Sockel erneuert (Entwurf Adolf von Vagedes). Allen weiteren Fährnissen erwies sich der Kurfürst gewachsen. Als die Bomben fielen, transportierten die Düsseldorfer das wertvolle Kunstwerk nach Gerresheim, stellten es sicher in einem Bergstollen unter. Im Herbst 1945 feierte das zerschlagene Düsseldorf die Rückkehr des Jan Wellem zum angestammten Platze. Die, die das erlebten, berichten, dass es ein Freudenfest war - trotz der Trümmerwüste.

Nur Erinnerung.

Der "kluge und patriotische Kurfürst", wie Schiller ihn nannte, war vorbildlich in seiner Treue zu Kaiser und Reich. Sie wurde ihm schlecht gelohnt. Alle Würden und territorialen Gewinne, die ihm während des langen Kampfes um das ungeheure spanische Erbe übertragen wurden, verlor er im Friedensschluss - ein tragisches Schicksal für einen redlichen Fürsten, der 1716 in Düsseldorf starb. Tragisch auch, dass seine unschätzbaren Sammlungen seiner Residenz verloren gingen! Düsseldorf blieb nichts als sein Denkmal - und die dankbare Erinnerung an den Menschen, in dem die Düsseldorfer das Urbild eines Rheinländers sehen und von dem Weidenhaupt sagt: "Dieser wohlmeinende und eifrige, daneben so prunkliebende und großzügige Herrscher, dem, wenn er in seinen politischen Planen beständiger und rücksichtsloser gewesen wäre, vielleicht eine führende Stellung unter den europäischen Fürsten beschieden gewesen wäre, hat bis heute unauslöschlich seine Spuren im äußeren und im geistigen Bild unserer Stadt hinterlassen."

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